Velbert – eine faire Stadt? Kolpingsfamilie startet Projekt zum fairen Handel

Bundesweit gibt es mehr als 300 Fairtrade Städte, weltweit über  1600 in 24 Ländern, und Manfred Holz, Kolpingmitglied und Ehrenbotschafter von fairtrade Deutschland, ist sich sicher: Auch Velbert kann und sollte eine „fairtrade town“ werden.

Was genau eine Fairtrade Stadt ist, erklärte er rund 30 Besuchern einer Kolpingsveranstaltung am Montagabend in der Bürgerstube.

„Fairer Handel ist seit etwa 45 Jahren ein Thema, angefangen hat das mit den Hungermärschen mit 30000 Teilnehmern aus Protest gegen die damalige Entwicklungshilfepolitik. 1972 wurde die Aktion `Handel mit der Dritten Welt´ gegründet.“ Holz hat selbst in den 70er Jahren in Venezuela als Entwicklungshelfer gearbeitet, er weiß um die Nöte der Menschen, und um die schlechte Bezahlung der Produkte, die auf unseren Märkten landen. 1992 entsteht der Verein Transfair e.V. unter Beteiligung von 36 Organisationen wie Misereor, Welthungerhilfe, Kolping, Kindernothilfe und vielen anderen. Ziel des Vereins ist die Unterstützung benachteiligter Produzentengruppen in Entwicklungsländern.

Die Dachorganisation Fairtrade International setzt Standards fest, die erfüllt werden müssen, damit ein Produkt das Siegel „Transfair“ erhält. Daran erkennt der Verbraucher, dass er mit dem Kauf die Produzenten vor Ort unterstützt. Etwa 1,3 Millionen Kleinbauern und Arbeiter in über 70 Ländern profitieren davon.

Ein Zuhörer möchte wissen, woher man weiß, dass die Hilfe auch wirklich ankommt. Holz antwortet: „Die Standards und der Verein werden regelmäßig von einer unabhängigen Gesellschaft überprüft. In Studien wird belegt, dass die Hilfe vor Ort ankommt. Bei einem Gesamtumsatz von 654 Mio. € in 2013 in Deutschland können wir uns wohl schlecht selbst überprüfen.“

4000 Produkte aus fairem Handel

Fairtrade ist den meisten Deutschen ein Begriff. Umfragen bestätigen: Mittlerweile kennen über 80% das „Transfair“-Siegel. Seit 2002 werden fairer Kaffee und Tee im Schloß Bellevue ausgeschenkt, seit 2006 gibt es Transfair Produkte auch bei Discountern.

Das am längsten und nach wie vor am meisten fair gehandelte Produkt sind Kaffeebohnen, allein 2013 mehr als 11000 Tonnen, es gibt 30 verschiedene Sorten. An zweiter Stelle stehen Bananen. Aber auch Rosen (- jede 4. Rose in Deutschland kommt aus dem fairen Handel), Süßwaren, Kleidung und vieles mehr kann man fair erstehen. Insgesamt gibt es rund 4000 Produkte, die deutschlandweit in 42000 Geschäften und etwa 20000 Gastronomien gehandelt werden.

Wie wird man „fairtrade town“?

Seit 2009 gibt es die Möglichkeit, als Kommune ein Zeichen zu setzen. Um den Titel „Fairtrade Stadt“ zu bekommen, sind bestimmte Vorgaben zu erfüllen, für eine Stadt wie Velbert bedeutet das etwa, dass in 17 Geschäften und 9 Gastronomien je 2 fair gehandelte Produkte angeboten werden müssen. Da es in den Lebensmittelgeschäften unserer Stadt ohnehin schon Produkte mit Transfair-Siegel gibt, sollte ersteres kein Problem sein. Auch eine Steuerungsgruppe ist schnell gefunden, die an dem Abend in der Bürgerstube anwesenden Kolpingmitglieder und Vertreter von sozialen Organisationen sind begeistert und bereit, sich in Velbert zu engagieren. Aber auch Politik und Verwaltung sind gefragt, ohne den politischen Willen kann man sich nicht bewerben, und die Verwaltung kann mit gutem Beispiel voran gehen und selbst z.B. nur noch fairen Kaffee und Tee konsumieren. Welche Vorteile daraus entstehen, lässt sich in Neuss beobachten, der ersten „fairtrade town“ NRW.“ Doch das ist einen weiteren Bericht wert.

 Karen Schemken